Feilschen in Marrakesch – so wird’s gemacht

Kein Aufenthalt in Marrakesch wäre ohne einen Besuch in den berühmten Souks komplett, dem scheinbar endlosen Labyrinth aus offenen und überdachten Märkten, auf denen alles verkauft wird, was man sich nur vorstellen kann. Und wer möchte nicht ein Schnäppchen machen, auf der Suche nach einem Urlaubssouvenir?

Wir alle wissen, dass Stand- und Ladenbesitzer die Preise in die Höhe schrauben, wenn Sie Touristen kommen sehen. Lassen Sie sich dadurch aber nicht davon abschrecken, den bestmöglichen Preis auszuhandeln.

Die Händler der Stadt erwarten das geradezu. Denn Feilschen gehört in der arabischen Welt ganz einfach zur Kultur – nicht zuletzt in einem so populären Touristenziel wie Marrakesch.

Okay – Sie haben also einen wunderschönen handgefertigten Artikel entdeckt, den Sie unbedingt als Wohnzimmerschmuck mit nach Hause nehmen müssen, um allen zu zeigen, wo Sie waren. Nun gehen Sie wie folgt vor:

  • Wandern Sie durch das Geschäft/den Markt und schauen Sie sich an, wie hoch der verlangte Preis für ähnliche Produkte ist – wahrscheinlich werden Sie feststellen (indem Sie fragen – die Preise sind selten ausgezeichnet), dass die Artikel mehr oder weniger dasselbe kosten, aber das ist gut zu wissen.
  • Überlegen Sie sich vorher, wie viel Sie zu zahlen bereit sind. Etwa 70 Prozent der Preisforderung ist ein recht guter Richtwert für den Wert eines Artikels. Doch vor allem sollten Sie daran denken, dass Sie unabhängig vom verlangten Preis nur so viel zahlen sollten, wie das Produkt Ihnen wert ist.
  • Treten Sie selbstbewusst an den Verkäufer heran. Sie mögen zwar Tourist sein, aber Sie sind ein Tourist, der sich auskennt. Sie wissen: Wenn Sie nicht von diesem Händler kaufen, können Sie das Produkt anderswo erwerben. Er weiß das auch.
  • Bieten Sie weniger, als Sie tatsächlich zu zahlen bereit sind – vielleicht die Hälfte des genannten Preises oder sogar noch weniger. Der Verkäufer wird Entsetzen und Verachtung heucheln (und Sie fast zum Narren halten, so überzeugend ist der Auftritt) und das Angebot von der Hand weisen. In diesem Fall erhöhen Sie Ihr erstes Angebot um ein paar Dirham, sagen wir auf 60–70 % der ursprünglichen Preisforderung. Nun schlägt der Verkäufer möglicherweise ein, oder – was wahrscheinlicher ist – behält den schockierten Gesichtsausdruck bei, mit dem er Ihr erstes Angebot begrüßte, und murmelt etwas von den vielen Kindern, die er unterstützen, und dem Lebensunterhalt, den er ja schließlich bestreiten müsse. Nun ist für Sie der Zeitpunkt gekommen, mit der Achsel zu zucken und wegzugehen. Und natürlich ruft der Verkäufer Sie zurück und akzeptiert Ihren Preis oder eine Summe knapp darüber – und Sie sind stolzer Besitzer eines herrlichen handgefertigten Artikels oder Souvenirs.
  • Erfolgreiches Verhandeln dreht sich vor allem um Timing und Einstellung. Sie müssen absolut entspannt wirken und den Eindruck vermitteln, dass es Ihnen völlig egal ist, ob Sie den Laden mit leeren Händen verlassen. Als vernünftiger Mensch möchten Sie natürlich auch kein so niedriges Angebot machen, dass es praktisch eine Beleidigung darstellt.

Auf Uneingeweihte kann das Feilschen ein wenig einschüchternd wirken, aber wenn Sie erst einmal Ihren ersten erfolgreichen Handel abgewickelt haben, kann es schwer sein, wieder aufzuhören. Feilschen in den Souks kann geradezu zur Sucht werden. Aber ob Sie damit Erfolg haben oder nicht – zu Ihrem Marrakesch-Erlebnis gehört es ganz einfach dazu.

Viel Glück!

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