Die Königsstadt Marrakesch wurde 1062 von Sultan Yusuf ibn Taschfin gegründet, dem auch der Bau der Verteidigungsmauern zugeschrieben wird, die die Stadt umgeben. Die spektakulären Stadtmauern wurden unter der Herrschaft der Almohaden und der Saaditen auf 19 km ausgebaut; ihre Farbe variiert zwischen rosa und rot, sie sind mit 200 quadratischen Türmen (Borjs) und neun monumentalen Toren ausgestattet. Zu jener Zeit war Marrakesch eine Stadt von immensem Reichtum – und damit eine angemessene Hauptstadt für ein Reich, das sich von Algier bis zum Atlantik und vom Mittelmeer bis fast in den Senegal erstreckte.
Nachdem die Stadt 400 Jahre lang von Berber-Dynastien regiert worden war, die den eingeborenen Stämmen des Atlas entstammten (die Almoraviden, Almohaden und Meriniden, die bis 1465 herrschten), übernahmen im 16. Jahrhundert Herrscher arabischer Herkunft die Macht. Die wohlhabenden Saaditen (1554–1603) vereinigten Marokko zu einer Nation. Im Jahr 1659 bestiegen die Alouiten den Thron (von 1672–1727 herrschte Moulay Ismail, der berühmteste aller Sultane) – diese Dynastie regiert Marokko noch heute.
Eine der bemerkenswertesten Sehenswürdigkeiten in Marrakesch aus dieser Zeit der marokkanischen Geschichte befindet sich in der Kasbah. In einem kleinen Garten liegen die Gräber der Saaditen-Dynastie aus dem 16. Jahrhundert – eines der schönsten Beispiele islamischer Kunst, nicht zuletzt wegen der komplexen Stuckverzierungen und der Zedernholzdecken des Mausoleums.
1912 wurde Marokko durch den Vertrag von Fes zum französischen Protektorat, unter der nominalen Souveränität des Sultans. In den nächsten 40 Jahren machte das Land erhebliche wirtschaftliche Fortschritte, dank der Entwicklung des Eisenbahn- und Straßennetzes durch die Franzosen und die Einführung von Wasserkraftanlagen, Beregnungssystemen und einem nationalen Bildungswesen. Das moderne Handels- und Wohnviertel Guéliz, außerhalb der Medina von Marrakesch, wurde fertiggestellt, kurz bevor Marokko 1956 die volle Unabhängigkeit zurückerlangte.